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Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, dürfen die Bürger verlangen, dass Sie sich als leitende Ortspolitikerin in der örtlichen Raumplanung auskennen?

Hier ein Statement der Vizebürgermeisterin und Vertreterin der Grünen zu DEM Thema in unserer Gemeinde, die Verbauung des alten Sportplatzes in St. Andrä – Wördern. Die Grünen sind übrigens intensive Befürworter dieses Projektes. Etwas, das ich kaum verstehen kann.

örtliche Raumplanung einmal anders

Diese Werbebotschaft findet sich auf der Facebook-Seite von den Grünen in St. Andrä – Wördern

Ich respektiere natürlich ihre Meinung, nehme mir aber die Freiheit, auf ein paar – nennen wir es vorsichtigerweise so – Logiklücken hinzuweisen und überhaupt ein paar Anmerkungen zu machen. Und ich teile bewusst ihren Beitrag, damit sich jeder ein Bild machen kann und auch beide Ansichten kennenlernt.

Was auf den ersten Blick auffällt: sie übernimmt quasi 1:1 ihr Vorwort aus dem Masterplan. Viele neue Erkenntnisse fallen mir hier nicht auf. Wenn es denn so wichtig wäre, dann könnte man doch persönliche Worte an seine Gemeinde richten, statt ein Werbebild zu posten.

Sie betitelt ihren Beitrag mit „Volksbefragung. Hingehen. Mitbestimmen.“ Klingt toll. Zwei wesentliche Fragen konnte sie dazu aber immer noch nicht beantworten:
1. Warum ward ihr anfänglich gegen eine Volksbefragung und seid erst jetzt so euphorisch direktdemokratisch, seit ihr diese Volksbefragung auf Grund der Gemeindeverordnung und der Unterschriftenaktion der SPÖ StAW durchführen MÜSST?
2. Wenn euch die Meinung der Bürger so wichtig ist, warum reduziert ihr die Wahlzeit um 3 ganze Stunden?

》St. Andrä – Wördern muss geordnet wachsen. St. Andrä – Wördern darf nicht Tulbing werden.《
Unabhängig davon, dass das eher undiplomatisch und respektlos gegenüber der netten Ortschaft Tulbing ist, ist das ein unglaublich schlechter Vergleich zweier unterschiedlicher Ortschaften. Tulbing wird nie die gleiche Infrastruktur wie unsere Gemeinde haben, dazu fehlt die Zuganbindung. Daher ist ein struktureller Vergleich schlichtweg fehl am Platz.
Wer sagt denn überhaupt, dass Wördern noch wachsen muss? Woher nehmt ihre diese Kennzahlen, dass das erforderlich ist?

Örtliche Raumplanung ’spannend‘ und sehr frei, aber jedenfalls neu interpretiert.

Wenn man sich in den Kernthemen seiner Ortspolitik nicht auskennt, wie hoch kann dann das Verständnis für den ‚Masterplan‘ sein?

Ihr habt Angst vor einer „Verhüttelung“? Ihr habt Angst vor einem falschen Wachstum? Ist das Unwissenheit oder eine bewusste Irreführung der Gemeindebürger, die ihr vertreten solltet? In beiden Fällen einer Ortspolitikerin und Vizebürgermeisterin nicht würdig.
Kurz zur Erklärung: die örtliche Raumplanung befindet sich im Kompetenzbereich der Gemeinde, sprich, wenn euch eine Entwicklung, wie die „Verhüttelung“ nicht passt, dann könnt ihr das politisch verhindern. Einzig und alleine durch einen Flächenwidmungsplan. Ihr verhindert es nicht, indem ihr die laut Masterplan möglichen 396 Wohnungen mitten in die Ortschaft pflanzt. Das widerspricht auch praktisch einer gewissen Logik: die Zielgruppe einer 70m2-Wohnung sieht vollkommen anders aus, als jene, die am Ortsrand ein Einfamilienhaus mit Garten haben möchte.

Ihr spricht von einer Strategie, am Ortsrand keine weiteren Flächen zu versiegeln. Ich verweise nochmals auf den vorigen Absatz: dann verhindert es durch eine kluge Raumplanung, nicht durch ein in diesem Zusammenhang wirkungsloses Megaprojekt.
Apropos Verhinderung der Versiegelung am Ortsrand: ist nicht geplant mit den Einnahmen aus den Grundstücken des alten Sportplatzes ein Sportzentrum an den Ortsrand zu bauen? Wie soll denn das ohne Versiegelung von Grund und Boden gehen?

Ihr schreibt, dass ihr Wohnungen, Arbeitsstätten und Freizeitangebote schafft. Ihr schafft aber noch etwas: Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub, Schwefeldioxid, Ammoniak etc.

Und wie ein roter Faden zieht sich die Leier durch den ganzen Werbetext: wieder taucht das ungesteuerte Wachstum auf. Es wird nicht besser, selbst wenn es mehrmals erwähnt wird. Das Wachstum steuert ihr mit der Raumplanung, nicht mit dem Verbauen von Grünflächen. Sorry, dass ich das so oft erwähne, aber es ist quasi der einzige, wenngleich falsche Informationsgehalt im Werbetext der Grünen.

Ich werde in den nächsten Tagen noch auf den Masterplan im Detail eingehen. Leider wurde dieser erst sehr kurz vor der Wahl online gesellt. Die erste Durchsicht ließ mich jedenfalls schon sprachlos zurück. Ich werde die Sprache aber rechtzeitig wiederfinden und euch meine Analyse des ‚Werkes‘ noch vor der Volksabstimmung hier bekannt geben.

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350 Wohnungen, 320 Wohnungen, unter 300 Wohnungen, 196 Wohnungen … oder doch 396?

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Der Masterplan – ein Pamphlet gegen die Bürger der Wohlfühlgemeinde?

  1. Eugen Ruffingshofer

    In unserer Gemeinde gibt es noch sehr viel Baulandreserve.
    Ich hätte gerne den Sportplatz als schön gestaltete Parklandschaft mit Gastronomie und ev. einem Veranstaltungszentrum gesehen. Die Versiegelung mit Wohnanlagen hätte ich mir auf anderen freien Baugrundstücken lieber vorgestellt.

  2. Hofmann Helmut

    Glauben Sie wirklich, dass es sich da um eine Frage des „logischen Denkens“ handelt? Ist darauf nicht oftmals hingewiesen worden, auch bei der Präsentation des Projekts im März 2018?
    Glauben Sie wirklich, dass die Koalitionäre an die Notwendigkeit zusätzlicher Baulanderschließung glauben, nachdem sich „Experten“ mit derartigen Thesen lächerlich gemacht haben – etwa mit dem Szenario eines sonst sterbenden Ortes? Die kennen den Ort zumindest so gut, dass ihr Glaube an derartigen Unsinn höchst unwahrscheinlich ist!

  3. Hofmann Helmut

    „Die Grünen sind übrigens intensive Befürworter dieses Projektes. Etwas, das ich kaum verstehen kann.“
    Man wäre versucht, dies zu unterschreiben, wenn der Begriff „dieses Projekts“ nicht so vieldeutig wäre, dass man aufs Raten angewiesen ist, wenn man sich darunter etwas Konkretes vorstellen wollte.
    Ich halte mich lieber an mir bekannte Tatsachen. die erste ist, es wurde im Frühjahr ein ziemlich vages Projekt „alter Sportplatz“ veröffentlicht und eine umfangreiche Bürgerbeteiligung („offene Ateliers“) angekündigt. Es sah auf dessen Areal und in seiner Umgebung über 300 Wohnungen samt Stellplätzen und die Verlegung des Sportplatzes auf das Wörderner Gebiet zwischen Au und Bahn vor. Meine ausdrückliche Frage, ob es sich dabei vielleicht um eine Ergänzung des Ortsentwicklungskonzepts handle, wurde bejaht. Die zweite Tatsache ist, dass erstmals in einer der folgenden Bürgerbeteiligungsveranstaltungen, bei denen vor allem der Verdichtungsgrad kritisch diskutiert wurde, der Gedanke eines gemeinsamen Ortszentrums für die seinerzeit zusammengelegten 7 Gemeinden ins Spiel kam, für dessen Bildung das Projektareal die letzte Chance darstellt. Der Gedanke stieß auf breite Zustimmung der Atelier-Teilnehmer und wurde deshalb auch prompt als Feigenblatt für das Wohnbauprojekt missbraucht. Drittens: der auf der Gemeidehomepage knapp vor der Befragung veröffentlichte „Masterplan“ ist, wie aus einer leicht zu übersehenden Bezeichnung klar hervorgeht, kein Masterplan, sondern höchstens der Entwurf des Architektenteams für einen solchen, der ja erst vom GRat bechlossen werden müsste. Es war klar, dass man sich hier dem Befragungsergebnis entsprechende Korrekturen vorbehalten musste.
    Es ist also nicht nachvollziehbar, dass „wir einen Masterplan haben“, schon gar nicht einen für “ ein Ortszentrum von St. Andrä-Wördern“. Der Begriff eines neu zu schaffenden Ortszentrums ist im § 14 NÖ Raumordnungsgesetz zumindest so weit umschrieben, dass man das dem Masterplan-Entwurf der Architekten Mittersteiner und Mitterndorfer zugrundeliegende Projekt als den gesetzlichen Erfordernissen nicht entsprechend bezeichnen muss.
    Alles andere geht am Kern der Sache vorbei.
    Dass die Grünen grundsätzlich gegen Verhüttelung an der Peripherie und Speckgürtel auftreten, ist bekannt. Derartige Fundamentaldogmen kranken daran, dass sie wie anderes auch nicht immer und überall sinnvoll anwendbar sind, weil sie mit anderen Umweltfragen im Widerspruch stehen. Im Fall STAW ist das etwa der Umstand, dass im Bereich der Einfamilienhäuser der Penetrationsgrad an Bodenversiegelung wesentlich geringer ist und damit einhergehend das Raumklima im engeren Siedlungsbereich durch Pflanzen, insbesondere durch Bäume, dem radikal verdichteter Bereiche überlegen ist. Diesbezügliche statistische Daten sind noch nicht erhoben. Tatsache ist jedoch, dass die Belastung des Kanalnetzes bei Starkregen im Einfamilienhaus-Siedlungsbereich wesentlich geringer ist als im verdichteten Bereich, wo die Folgen eines an Kapazitätsgrenzen stoßenden Kanalnetzes zu Wassereinbrüchen in Kellern geführt haben, deren Folgen die Hauseigentümer ausbaden müssen.
    Es tut mir leid feststellen zu müssen, dass die beharrliche Weigerung ALLER politischer Parteien, sich bei so weitreichenden Maßnahmen der aktiven Teilhabe der Bevölkerung zu versichern und auf dieser Grundlage einen Konsens zu suchen, zu verheerenden Ergebnissen führen kann. Eine patscherte, wenn nicht sogar aus rein taktischen Gründen initiierte Befragung ist kein geeignetes Mittel zur Problemlösung; die „offenen Ateliers“, deren Ergebnis ignoriert wurde, auch nicht. Echte Bürgerbeteiligung sieht anders aus, ganz anders.

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