Vor einiger Zeit berichtete ich davon, dass ein Gemeindebürger, Herr Josef Karner, einen Vortrag über die Wiederentdeckung der Holzbauweise abhalten wollte. Zum Wohle der Bürger wollte er kostenfrei die Menschen von der gesunden und nachhaltigen Bauweise informieren.

Hier zum Nachlesen: Gemeinde. Eine soziale Gruppe, die ein starkes Wir-Gefühl hat.

Herr Josef Karner war zu diesem Zeitpunkt den Gemeindevertretern bereits bekannt, da er den sehr eilig veröffentlichten und katastrophalen Masterplan über die Verstädterung der Gemeinde mit Interviews von Gemeindebürgern filmisch publizierte. Die Meinung der Interviewten spiegelte auch die Meinung der Menschen wider, wie wir nun nach der Volksbefragung wissen, nämlich eine sehr negative. Zu hastig wollte die Jamaica*-Koalition den Masterplan durchpressen, womit nicht nur Fragen zum Masterplan, sondern auch zu den Hintergründen der Nacht-und-Nebel-Aktion auftauchten.

*Jamaica-Koalition wird in St. Andrä - Wördern die Koalition aus ÖVP (schwarz), Grüne (grün) und Bürgerliste (gelb) genannt, weil diese Farben in der Landesflagge von Jamaica vorkommen.

Das nur zur Erklärung, um zu verstehen, was nun kommt.

Herr Karner hat intensiv zur Thematik der Holzbauweise recherchiert und hielt bereits etliche, allseits gelobte Vorträge über ‚die Renaissance der Holzbauweise‘ ab. Die besten Vorzeichen also, um einen Vortrag auch aus der Gemeinde für die Gemeinde zu halten.

Das sahen nicht alle so. In Herrn Karner wurde scheinbar ein Schuldiger für das Scheitern des in Jamaica beliebten Masterplanes gefunden. In einigen Gesprächen mit Vertretern der Gemeinderegierung ist auch weiterhin kaum eine Selbstreflexion erkennbar. Das ging sogar so weit, dass man es für „schade empfunden hat, dass die Bürger befragt wurden“: hier zur Erinnerung.

Aber zurück zum Thema.

Herr Karner bot nun der Gemeinde an, seinen Vortrag im Rahmen der ‚Gesunden Gemeinde‚ zu präsentieren. Das bietet zum einen den Vorteil für die Gemeinde, ein Programm anbieten zu können und dem Vortragenden, sich Kosten zu ersparen. Für die ‚Gesunde Gemeinde‘, die nun unter der Initiative ‚Tut gut‘ firmiert, gibt es Förderungen vom Land. Viel wäre es nicht gewesen, da Herr Karner den Vortrag gratis angeboten hat, allerdings hätte er seitens der Gemeinde im Gemeindeamt oder einer anderen Stelle einen Vortragssaal kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen. Wirtschaftlicher Aufwand für die Gemeinde: null!

Die zentrale Frage lautet: Wie können wir Gemeinden so gestalten, dass es den Bewohnerinnen und Bewohnern leichter fällt, sich gesund zu verhalten?
Das Programm möchte daher Hilfestellung beim Aufbau einer Struktur bieten. In der Gesundheitsförderung ist es üblich, offene Arbeitskreise in der Gemeinde zu installieren. Alle, die sich gerne zu diesem Thema einbringen wollen und können, sind eingeladen dies zu tun. Menschen haben unterschiedliche Talente, Gemeinden unterschiedliche Potenziale und Ressourcen… und genau diese wollen wir fördern!

Initiative Tut Gut des Landes Niederösterreich

Das Angebot wurde durch die Gemeindevertretung, namentlich Bürgermeister Titz, abgelehnt. Im ersten Moment ohne Angaben von Gründen. Ein durchaus eigenartiger Zugang des obersten Bürgervertreters. Wir haben allerdings nachgehakt, wodurch wir ihm dann doch eine Erklärung abringen konnten: Herr Karner sei kein Fachmann in diesem Bereich. Die Mühe, seinen Lebenslauf samt mehrjähriger Erfahrung als Redakteur zu lesen, machte sich allerdings niemand. Der Vortrag mit dem ungeliebten Referenten darf einfach nicht stattfinden. Parteipolitik überschattet die Funktion der neutralen Gemeindevertretung. Ein sehr tragisches Handeln der so wichtigen Funktion des Bürgermeisters.

Das war der Moment, in dem ich mich eingeschaltet habe. Als Baumeister kann ich sachlich nachweisen, einen solchen Vortrag anbieten zu können. Herr Karner und ich baten also nochmals zum Gespräch, dem folge geleistet wurde. Dieses sollte am 19.08.2019 stattfinden, zu dem Herr Karner allein pilgern musste, da ich in Urlaub weilte. Und Herr Karner pilgerte. Zumindest bis zur Türe des Bürgermeisters, die sich allerdings als verschlossen präsentierte. Beim Nachfragen im Sekretariat wurde verwundert festgestellt, dass der Bürgermeister den Termin nicht wahrnehmen kann, dies aber der – Achtung! – Firma Karner bekannt gegeben wurde. Zumindest rief der Bürgermeister danach bei Herrn Karner an, um sich zu entschuldigen und einen Ersatztermin zu finden.

Dieser Ersatztermin gestaltete sich „als großes Mißverständnis“. Natürlich darf Herr Karner den Vortrag halten. Na wunderbar.

Also wurde das Anbot erneuert und wir, Herr Karner und ich, bekamen einen Termin für den Vortrag im Mainstreet-Saal im Kulturcafe in St. Andrä.

„Bravo“ möchte man denken …

Wir ‚dürfen‘ den Vortrag halten, allerdings nicht im Rahmen der ‚Gesunden Gemeinde‘. Holzbau hätte nichts mit Gesundheit zu tun. Zur Erinnerung: wir sprechen immer noch von einer Gemeinderegierung, in der die Grünen beteiligt sind und sogar die Vizebürgermeisterin stellen!

Was bedeutet das im Detail?

Wir haben vom Bürgermeister die Erlaubnis bekommen, im Mainstreetsaal auf eigene Kosten einen selbst erarbeiteten Vortrag zu halten.

Hier möchte man uns ganz schön veräppeln! Solange nichts Illegales geplant ist, darf JEDER den Mainstreetsaal anmieten, um Vorträge zu halten. Dazu hätten wir nicht den Segen des Bürgermeisters benötigt.

David Behling

Recherchen haben ergeben, dass im Rahmen der Gesunden Gemeinde auch Beratungen vom örtlichen Rechtsanwalt stattfanden, der über das Antreten von Erbschaften, über Sachwalterschaften etc. referierte. Das kann durchaus auch gesundheitsfördernd sein, da solche Situationen für den Erben eine belastende Situation darstellen können. Dennoch benötigt man dafür mehr Phantasie als für die Holzbauweise …

Schließen wir den Kreis

Bei der letzten Gemeinderatssitzung wurde die Verbauung des Sportplatzes indirekt wieder thematisiert, indem ein Grundsatzbeschluss durchgeboxt wurde (richtig geraten: von Jamaica), ein neues Sportzentrum zu errichten. Das kann nur Hand in Hand gehen mit einem Konzept, was aus dem alten Sportplatz wird. Unabhängig davon finden wir im Antrag dazu die Formulierung, es sollen für den Neubau des Sportzentrums nur ’natürliche‘ Baustoffe verwendet werden. Warum das? Wahrscheinlich, um die Gesundheit der Sportler und Zentrumsgäste zu fördern. Nachdem abgesehen von Schilf und Stroh sowie unbehandeltem Holz kein Baustoff ’natürlich‘ ist, sind offensichtlich ökologisch nachhaltige Baustoffe gemeint. Ich verkneife mir an dieser Stelle den Hinweis, dass es die Gemeinderegierung auch weiterhin nicht der Mühe wert findet, das Thema sachlich und bürgernah zu behandeln. Irgendwer möchte sich hier wohl ein Denkmal setzen (OK, das Verkneifen ist mir nicht gelungen).

Allerdings stellt sich die Frage, ob der Herr Bürgermeister Titz samt seiner Gefolgschaft Holz nun als gesund oder nicht gesund betrachtet. Fragen, die uns diese Regierung nicht mehr beantworten wird.


Bitte vormerken:

Renaissance der Holzbauweise
Aus der Vergangenheit lernen, für die Zukunft bauen

Freitag, 22.11.2019, 19:00 Uhr
Mainstreet-Saal

Nachdem die Gemeinderegierung Gemeinde- und Landesförderungen für diesen Vortrag nicht ermöglichen möchte, erlaube ich mir, den Vortrag im Rahmen meines Wörderner Unternehmens zu fördern und als Veranstalter zu präsentieren: IDEE Bau und Immobilientreuhand KG

Vortragende:
Hauptvortragender: Josef Karner
Einleitende Worte: David Behling

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

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